Es gibt ein Bild von Klee , das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.

(Walter Benjamin. Gesammelte Schriften. Band I/2. S. 697f)

Mein Abschied von der Geschichte
ist genauer genommen der Abschied von einem Lernschritt:
Die Geschichte des Dritten Reiches, die in vielen Teilen verschwiegene Geschichte der Jugend meiner Eltern, die dadurch auch meine Kindheit und Jugend in den sechziger und siebziger Jahren belastete, wirklich nah an mich heranzunehmen und zu studieren.

Seiten: 1 2