Was im Moment beim Bundespräsidenten in Frage gestellt wird, die Aufmerksamkeiten und Geschenke seiner Unternehmer-Freunde in Urlaub und teurem Leben anzunehmen, war in bayrischen Obrigkeiten seit F.J. Strauß auch durchgehend üblich. Streibl wie Stoiber machten in der Bereicherung weiter, Erwin Huber und Seehofer sind nicht besser … schreibt der frühere ranghohe Finanzamts-Mitarbeitende und CSU-Mitglied Wilhelm Schlötterer in seiner Abrechnung „Macht und Mißbrauch, von Strauß bis Seehofer“ im Heyne-Verlag für 10 Euro zu haben.

Finanzamts-Mitarbeitende haben mitunter hohen Ermessensspielraum: Steuererlaß von 63 Millionen (neben dem sicher nicht mageren Umsatz und Abschreibungsmöglichkeiten und einem höheren Gewinn), wenn der Unternehmende mit dem Ministerpräsidenten befreundet ist. Landtagspetitionen, öffentliche Lügen im Amt, Strafvereitelung im Amt … die Reihe ist unglaublich, liest sich aber flott, von ein paar Wiederholungen abgesehen, die aber die Reihe der politischen Mißbräuche sauber auflisten.

Ein in seiner Berufsehre gekränkter bayrischer Beamter liefert die Munition, diesen Filz der CSU mit Tätern in den höchsten Ämtern, am Ende noch in den Vorsitz der Landesbank gehievt, dort noch einmal Milliarden verbrannt: Die ziemlich schmähliche Erfolgsbilanz einer gealterten Räuberbande, deren früherer Chef den Waffenhandel so erfolgreich neben seinem Ministerpräsidentenamt gefördert hatte, dass wohl 450 Millionen auf Schweizer Konten lagen … unversteuert, wie Schlötterer annimmt.

Und er schreibt, dass da durchaus etliches davon aufzuklären und zurückzuholen ist, wenn wir uns einen Regierungswechsel erlauben, der nicht von einer großen Koalition korrumpiert wird. Das ist eine große Aufgabe, aber die Bande ist nicht mehr in gutem Zustand … und kann sich nicht ändern. Wir können das.

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