Um die Welt politisch, ökonomisch und sozial zu verändern, müssen wir den Sinn anders begreifen. Dieser Wandel muss aber im Individuum beginnen; für den einzelnen selbst muss sich der Sinn ändern…

Wenn Sinn wirklich ein wesentlicher Teil der Wirklichkeit ist, hat sich grundsätzlich erst dann etwas geändert, wenn der Sinn von Gesellschaft, Individuum und Beziehungen in einem anderen Licht gesehen wird.

David Bohm


Sie änderten die Welt mit Theater: Ihr den Spiegel vorhalten, mit dem was ist: Ausbeutung, Unrecht, Zukunftsangst.

„Das Living Theatre muss im Online-Bereich präsent sein, aber Theatergruppen können nicht mit der sich verändernden Kultur fertig werden, wenn wir nur digitale Plattformen für den Verkauf von Tickets nutzen – wir müssen die Qualität der Inhalte auf digitalen Plattformen sowie auf solchen mit Proszenien neu definieren. Wir müssen etwas Nützliches und Schönes schaffen.“ https://thediarist.substack.com/p/why-keep-track

Welche Szenen würden dir dazu einfallen?

Wir starten im Herbst dazu ein neues Projekt, von drei Seiten: Studierende der Hochschule München, soziale Arbeit, interessierte Mitarbeitende der Wohnungslosen-Arbeit und aus einem Arbeitslosen-Stammtisch, vielleicht schon zum Tag der Menschenrechte (die dieses Jahr 75 Jahre alt werden) im Einewelthaus und mit MigrantInnen und Mitarbeitenden?

Magische Welten der Kulturen

 David Graeber wurde 1961 in New York geboren und wuchs in einem linken säkularen jüdischen Haushalt auf. Sein Vater, ein erfahrener Druckarbeiter, hatte während des spanischen Bürgerkriegs in den Internationalen Brigaden gekämpft. Seine Mutter war Textilarbeiterin und Arbeitsaktivistin. Er starb 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie in Venedig, als ein letzter Pirat … (eines seiner letzten Bücher: Piraten-Selbstorganisation in Madagaskar)

Dank eines „seltsamen Hobby, das ich entwickelt hatte, um Maya-Hieroglyphen zu übersetzen“, interessierte er sich für Anthropologie und machte 1984 seinen Abschluss an der Universität von Chicago. Seine erste Karriere war also die eines akademischen Anthropologen, der, wie er vage zugeben würde, auch ein Anarchist war. Er verbrachte zwei Jahre mit Feldforschung in Madagaskar, wo, wie er es ausdrückte, „Flüchtlinge und Rebellen aus dem gesamten Indischen Ozean […] dieses wild subversive kulturelle Substrat schufen“ und die meisten Versuche unternahmen, einen Staat zu bilden, der sowohl fragil als auch vorübergehend ist.

In Madagaskar entwickelte er die Intuition, dass Kulturen im Grunde genommen soziale Bewegungen sind, die erfolgreich waren, und dass das, was innerhalb der sozialen Bewegung geschieht, für das Ergebnis wichtig ist, das die Bewegung erreichen will.

Sein zweites Leben

als einflussreicher politischer Denker und Aktivist begann 1999 mit dem Protest von Seattle gegen die Welthandelsorganisation: „Ich verließ die Klasse“, erinnerte er sich, „sah eine dieser Zeitungsboxen mit der Überschrift“ Kriegsrecht in Seattle erklärt „und dachte:“ Was? Kriegsrecht? Huh? „Und ich entdeckte, dass die politische Bewegung, die ich wirklich gerne gehabt hätte, entstanden war, als ich nicht aufgepasst hatte.“

David Graeber warf sich in die Bewegung, die für Seattle, das Direct Action Network, mobilisiert worden war und dessen Organisator er in New York City wurde. Später schrieb er einen ausführlichen ethnografischen Bericht über die Bewegung und ihre Rolle bei den internationalen Mobilisierungen, die im Genua-Protest vom Juli 2001 gipfelten. Inzwischen unterrichtete er an der Yale University, doch 2004 – nach Monaten der Ausgrenzung durch etablierungsfreundliche Kollegen, die, wie er später sagte, nicht in der Lage waren, einen gefährlichen Gedanken zu denken – wurde sein Vertrag gekündigt.

In Direct Action: An Ethnography (2009) fasste er eine Methode des konsensbasierten, vernetzten Protests zusammen, die inzwischen unter einer großen Anzahl von Aktivisten verankert war. Und als 2011 die nächste Welle antikapitalistischer Unruhen begann – diesmal Massen-, transnationale und epochale -, trieben die Ereignisse Graebers Leben in seine dritte Phase – als weltweit angesehener öffentlicher Intellektueller.

„Der Kommunismus existiert bereits in unseren engen Beziehungen zueinander auf Millionen verschiedener Ebenen“, sagte er 2012 einem Interviewer. „Es geht also darum, dies schrittweise auszubauen und letztendlich die Macht des Kapitals zu zerstören, anstatt diese Idee der absoluten Negation.“ stürzt uns in ein großes Unbekanntes. “

Zum Zeitpunkt seines Todes hatte er ein neues Buch fertiggestellt – On Kings/ in dt: Anfänge – und arbeitete an einem Großprojekt, um die gesamte Geschichte der sozialen Ungleichheit von der späten Steinzeit bis zur Gegenwart nacherzählen zu können. Dies, behauptete er scherzhaft, „ist höchstwahrscheinlich der erste Band einer nachfolgenden Trilogie, die den Herrn der Ringe leicht übertreffen wird“. → Anfänge

Gemeinschaften der Kraft

Viele Rituale – wie das Theater – brauchen größere Gemeinschaften, um zu wirken: Als Magier reichen uns drei bis fünf Personen, manche Schamanentreffen können auch größer sein, und sie sortieren sich nach Regionen, Heilwissen und Methoden, auch die Verantwortung für Familien, Stämme und Regionen. Die Gebetskreise der Voodoo-Tanz- und Trommel-Rituale brauchen die Männer oft vor allem als Trommler, lassen mehr die Frauen dann in Trance tanzen, in einem großen Kreis von Beteiligten, der die Situationen absichert.

Die Magie der Szene kennt jede Bühne in aller Welt:

Eine Fläche als einen besonderen Raum zu besetzen und markieren, an dem sich besonderes ereignet, in dem kontrolliertes Verhalten erwartet wird, auch zeitliche Wiederholungen möglich sind, aus der Gegenwart gerissen, als Erzählung alter Zeit oder als zukünftige Probe auf die Wirklichkeit: Was in den kindlichen Rollenspiel-Riten oft an der Person oder ihrer Situation hängenbleibt, wird im ,Theater der Unterdrückten‘ auf die gesellschaftliche Wirklichkeit übertragen: Stimmt meine Interpretation einer Szene, eines erlebten Zusammenhanges auch in einem anderen Bereich? Ändert eine neue Sichtweise auch andere meiner Lebensbereiche? Auf der Suche nach authentischen Verhaltensweisen geraten wir jeweils über fachliche und berufliche Grenzen zu neuen Fragen.

Die Magie jeder Szene auf einer Bühne besteht zumindest aus einem bestimmten Abstand, aus der Richtung und Haltung der Personen zu einander, oft entsteht in den stellvertretenden Personen in einer Aufstellung sogar ein Satz, der in den Ursprungs-Verhältnissen geläufig war. Jede wiederholbare Aufstellung einer Szene bewirkt im Publikum eine Erinnerung an das eigene Erleben: Solche Szenen in Familie, Schule, Beruf, Betrieb und Einrichtung, in Filmen und anderen Aufstellungen und Theater-Erlebnissen.

Heilsame Gespräche, Szenen und gesellschaftliches Verständnis

Die erste Stufe entsteht im Erstellen einer Szene, im Abbilden oder Ansprechen einer Thematik, auszudrücken, was im Bewusstsein gerade im Vordergrund steht,
die zweite Stufe kommt im Überlassen an eine Gruppe und ein Publikum, das die Szene annimmt, das Thema wahrnimmt, und darauf reagiert, mit Fragen oder Verständnis …
die dritte Stufe kommt aus den Reaktionen auf eine Szene, ein Thema aus dem Publikum: Ich kann als AußenstehendeR die Lösungsversuche und Nachfragen, das Verständnis für meine Situation betrachten.

Die Magie der Aufklärung

Eine aufgeklärte Magie spielt neue Kräfte aus: Gemeinschaftlichkeit in Projekten, wenn sie auch psychisch fundiert sind und nicht nur in Gedanken und Ideen die Überlegungen der Einzelnen zusammen werfen:

Gustav Landauer übersetzte die Schriften von Meister Eckhart, sein Freund Martin Buber legte mit Ich und Du die Grundlagen der Gestalt, die Weiterführung der Psychotherapie im Kontakt mit dem Bewusstsein der Heilungskräfte der Einzelnen und der Gruppe, 

über Michail Bakunin und seine Art der Aufklärung wie in „Gott und Staat“ und die Kritische Theorie gehen die Ideen um die Welt zu Paulo Freire zum Dialog in der Pädagogik der Unterdrückten und zur ecopedagogy

dann zu den Forschungen zum Volkstheater bei Augusto Boal, der die Gedanken von Bert Brecht zum Theater im Dialog zum Theater der Unterdrückten und bis zum Legislativen Theater weiterführte.

Einen anderen Ansatz der politischen Aufklärung verfolgte der Anthropologe David Graeber aus der occupy-Bewegung mit seinem Karneval der Kulturen

https://graeber.social fortgeführt von seiner Partnerin nika dubrovsky im Museum of Care @museumofcare wie im September 15 & 16, 17:00

@nika:

Take my love.
Take my land.
Take me where I cannot stand.
I don’t care, I’m still free.
You can’t take the sky from me.

Take me out to the black.
Tell em I ain’t comin’ back.
Burn the land And boil the sea.

You can’t take the sky from me.

There’s no place I can’t be Since I found Serenity.
But you can’t take the sky from me. https://youtu.be/o-sp68GjYL0?si=im6M59

Links und Literatur

AdornoKUNST IST MAGIE, BEFREIT VON DER LÜGE, WAHRHEIT ZU SEIN

David GraeberAnfänge und für dich vielleicht der interessanteste Einstieg: v-a.city und a4kids.org

Rituale und Schamanismus

Das Handeln und Wissen der alten Völker wurde durch den christlichen Kolonialismus als primitiv dargestellt, und die aramäischen Gottesbilder sollten die Welt beherrschen, bis zur Zerstörung als Gegenpol der Schöpfung, mit Abrechnung im Dualismus von Gut und Böse, im Gegensatz zum Monismus, der Einheit von Mensch und Natur, die keinen Menschen ausschließen kann, auch nicht aus den Menschenrechten, was einige Part-eien in der dualistischen Rechthaberei und im Rassismus versuchen.

Schaman ist dagegen ein System der KonZentration auf Berufung, Gesundheit, Veränderung: Mit Fasten, Musik, Rhythmen, Idolen als Symbolen, Feuer, Rauch und Rauschmitteln, Kräutern und Opfern, Wasser und besonderen Speisen, den Namen und Eigenschaften von Totem als Ahnen, Tieren, Götter-Figuren …