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Nach ein paar Grundinformationen und einer Runde zu den Interessen der Beteiligten werden wir in partizipativer Forschung an unsere Grundlagen gehen.

http://home.arcor.de/Letsch/shqipon7.htm
http://home.arcor.de/Letsch/ewnpfg.htm

* http://paulo-freire.blog.de/
Paulo Freire *19.9.1921 in Recife / Brasilien: Begründer der Befreiungspädagogik, der „Pädagogik der Unterdrückten“ – Entwicklung einer bewusstseins-bildenden Alphabetisierungsmethode für Erwachsene, bis 1969 an der Universität von Santiago, Gastprofessur an der Harvard University, im Exil in der Schweiz Arbeit für den Ökumenischen Rat der Kirchen, Lehre an der Universität von Campinas und an der Katholischen Universität von Sao Paulo, Auszeichnungen von Hochschulen und der UNESCO, † 2. Mai 1997

Contraste
gibt grad eine thematische Nummer dazu heraus:

Aufbruchssignal aus Berlin

In einer Welt, in der nicht nur Lebensmittel oder Kleidung sondern
zunehmend auch zwischenmenschliche Beziehungen zur Ware (und zu Kapital)
werden und ein individualisierender Konkurrenzkampf das Leben bestimmt,
wird von vielen Menschen Solidaritaet (gegenseitige Hilfe zu
beiderseitigem Nutzen) als bedeutsam und dringend noetig erlebt. Auf dem
Kongress „Wie wollen wir wirtschaften? Solidarische Oekonomie im
globalisierten Kapitalismus“ in Berlin wurde deutlich, dass viele
Menschen, die sich bisher in der globalisierungskritischen Bewegung oder
an der Gewerkschaftsbasis und in anderen Bereichen
engagierten, mehr praktische Solidaritaet in ihren Alltag holen wollen.
Das Stichwort „Solidarische Oekonomie“ brachte dieses Beduerfnis
treffend auf den Punkt.

Hilmar Kunath, Redaktion Hamburg – Auf dem Kongress scheint es
tatsaechlich gelungen zu sein, die in den letzten Jahrzehnten
entstandenen Versuche und Ansaetze „alternativen“ Wirtschaftens
(Kommunen, Lebensgemeinschaften, Wohn- und Hausprojekte,
Energieinitiativen, Regiogeld-Initiativen, Tauschringe, Umsonstlaeden,
Genossenschaften der einen oder anderen Art und andere Projekte) einen
Schritt aus ihrer gesellschaftlichen Isolation heraus zu holen und mit
den Bewegungen gegen die Auswirkungen eines globalisierten Kapitalismus
in Gespraeche zu bringen. Diese Begegnung machte auch
einen Teil der positiven Stimmung auf dem Kongress aus. Man sprach
„fraktionsuebergreifend“ miteinander.

Wo ein Beduerfnis da ist und die Begriffe zunaechst fehlen, da stellt
ein neues Wort sich ein: „Solidarische Oekonomie“? Was aber koennte
„Solidarische Oekonomie“ fuer Menschen bedeuten, die sich gegen
eine Verschlechterung ihrer Lebensverhaeltnisse wehren und den von der
allgemeinen Privatproduktion angetriebenen Konkurrenzkampf „jeder gegen
jeden“ nicht mehr mitmachen wollen?

Eine grosse Mehrheit der in Berlin Anwesenden neigte wohl dazu,
zunaechst kollektiv, unter Hintanstellung des Gewinnmotivs, auf den
Markt zu gehen. Dabei wird zwar das Kapital, nicht jedoch Waren und Geld
in ihrer Nuetzlichkeit in Frage gestellt. Eine Minderheit hingegen
machte auf die praktischen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte
aufmerksam, wonach tausende Projekte und Betriebe, die „kollektiv“ „auf
den Markt“ gegangen waren, sich binnen weniger Jahre zu ganz „normalen“
privatwirtschaftlichen und hierarchisch strukturierten Gebilden
zurueckentwickelt haetten. In der Mehrzahl haetten sie – in ihren
Bemuehungen, sich konkurrenzfaehig auf dem Markt zu bewegen – nicht
einmal mehr die Zeit genommen, ueber ihre eigene Rueckentwicklung
nachzudenken. Verstaendlich ist es daher, wenn nun die in Berlin neu in
Richtung Ware, Geld und Markt Aufbrechenden gefragt wurden, ob sie
diesen wiederum hoechst wahrscheinlichen Anpassungsprozess noch einmal
durchleben wollten.

Positiv fuer eine Weiterentwicklung der zahlreichen in Berlin
vertretenen Projekte ist die erkennbare Bereitschaft vieler einzelner
Menschen, unabhaengig davon, wie „antikapitalistisch“ oder
„wertkritisch“ man sich begreifen koennte, sich fuer Initiativen
solidarischen Wirtschaftens in ihrem Alltag zu oeffnen.

Deshalb ist es auch nach dem Kongress wichtig, von allen anerkannte Orte
der Information ueber die Projektvielfalt, der Erfahrungsvermittlung und
solidarischer Diskussion zu schaffen. Der „Serviceknoten fuer ein
Kommunikationsnetz von Solidargemeinschaften“ (siehe Seite 7) soll ein
erster Ansatz dazu sein.

CONTRASTE greift die Debatte mit Beitraegen in dieser Ausgabe auf. Wir
hoffen auf weitere Beitraege zu der Frage, wie der Ansatz solidarischer
Oekonomie sowohl weiter mit Praxis als auch mit kritischem Verstaendnis
gefuellt werden koennte. Die zwei Artikel zu Umsonstlaeden sollen fuer
eine „neue Ehrlichkeit“ beim Berichten ueber selbstorganisierte Projekte
stehen.

Schwerpunktthema auf den Seiten 7 bis 11

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