Die Vertreibung der Expressionisten und der Existenzialisten, oft verankert in jüdischem Denken und seiner verantwortungsvollen und nicht so untertänigen Kultur (im Gegensatz zum päpstlich orientierten Katholizismus und zum deutsch-nationalen Protestantismus) ist, wie die Vertreibung der Sozialisten und Kommunisten, endgültig geblieben:

Die Rückkehr wurde nicht nur durch Sprüche wie „Wo wart ihr denn, als wir in den Bombennächten …“ erschwert, auch die schnelle Wiedereinsetzung vieler Nazis und die Wiederbewaffnung waren Schocks für alle, die auf ein erneuertes Deutschland hofften, zumal der neue Rechtsruck aus Amerika gewollt war.

Klaus Mann verlor alle Hoffnung, und viele der damals fortschrittlichen Denkweisen haben es bis heute schwer, zurückzufinden: Die alten Strukturen verteidigen bis heute ihre Macht. Medizin und Psychoanalyse wehren sich immer noch gegen demokratische Strukturen, pflegen Herrenprivilegien.

Die Revolution 1918 / 19 war in den Köpfen von Denkern mit jüdischem Hintergrund vorbereitet worden: Marx und Engels, Landauer und Eisner, Mühsam … und immer im Dialog, nicht in einsamer Führerschaft: Buber, Fechenbach … und Anarchismus war eine Qualität des gemeinschaftlichen Denkens, nicht nur der Tat.

Die sogenannte expressionistische Generation, diese gesellschaftlichen Außenseiter und Pioniere der Moderne, erlebten und erlitten den sich in Deutschland und speziell in der Metropole Berlin rasant durchsetzenden Modernisierungsprozess am bewusstesten. Auf vorgeschobenem Posten versuchten sie damals mit dem umzugehen, was von aktuellen Zeitdiagnostikern als Chance und Gefahr für die Identitätsbildung der Menschen in den postmodernen oder globalisierten Industrienationen benennt wird. (S. 21)

Beim Lesen in Bernd Bocian: Fritz Perls in Berlin 1893 – 1933

Vor diesem Hintergrund stellt sich für mich der Entwurf der Gestalttherapie als ein Antwortversuch auf die Bedrohungen und Chancen eines Prozesses sozialpsychologischer Veränderungen dar, der andauert und seitdem immer größere Teile der gesellschaft erfasst hat. (S.22)


im Jahr des 110. Geburtstages und 50. Todestages von Wilhelm Reich
, dessen Bücher zwei mal verbrannt wurden: Von den Nazis und inden 50er Jahren von den Amerikanern, er starb dort im Gefängnis, die psychoanalytische Gesellschaft schloss ihn aus … gedanklich bis heute, totgeschwiegen oder für irr erklärt.

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