Was der Wissenschafts-Journalist und Zukunftsforscher Robert Jungk, aus jüdischer Jugendbewegung stammend, beim Arbeiterpriester Danilo Dolci lernte und weiterführte, hatte christliche Wurzeln:

Gymnasium

Die Grundsätze der Soziallehre lassen sich gewöhnlich in folgenden drei Schritten verwirklichen:

Zunächst muss man den wahren Sachverhalt überhaupt richtig sehen; dann muss man diesen Sachverhalt anhand dieser Grundsätze gewissenhaft bewerten.
Schließlich muss man feststellen, was man tun kann und muss, um die überlieferten Normen nach Ort und Zeit anzuwenden.
Diese drei Schritte lassen sich in drei Worten ausdrücken: sehen, urteilen, handeln.
(Mater et Magistra, 236) in: „Theologie der Befreiung“ von Bruno Kern S. 10 www.narr-shop.de/media/leseproben/44027.pdf

Die Theologie der Befreiung ist in unserer Kultur der theoretischen Freiheit nie wirklich angekommen, der gläubige Mensch ist hierzulande zwischen Gottesdienstbesuch und Kirchensteuer kritisch verortet, aber nicht international eingebunden:

Die zahlreichen Anfeindungen, die die Theologie der Befreiung in Lateinamerika erfahren hat, sind an ihr nicht spurlos vorübergegangen. Vor allem innerhalb der katholischen Kirche hat sie gegenüber den siebziger Jahren deutlich an Bedeutung verloren. Viele profilierte Befreiungstheologen wurden wie Leonardo Boff in der Ausübung der Lehre behindert oder gar ihrer Ämter enthoben. Theologinnen der Befreiung hatten in der katholischen Kirche ohnehin aufgrund ihres Geschlechtes geringere Entfaltungsmöglichkeiten.

Zahlreiche Bistümer, deren Bischöfe ihre Pastoral an der Theologie der Befreiung ausgerichtet hatten, erhielten – wie im Fall von Hélder Câmara – nach deren Emeritierung einen neuen Oberhirten, der eine andere pastorale Linie vertrat und nicht selten wichtige Entscheidungen seines Vorgängers rückgängig machte.
Vielschichtig und lebendig: Neuere Entwicklungen in der Theologie der Befreiung, Stefan Silber in: HERDER KORRESPONDENZ 60 10/2006

Im Hintergrund wirkte die Pädagogik der Unterdrückten von Paulo Freire, der in diesem Kontext zum Anwalt der Armen, auch in den Kirchen, geworden war.