Immer, wenn ich das große dunkelrote schwere Religionsbuch in die Hand nahm, war auch das schwere Höllenfeuer präsent: Dabei begann es mit einem grünen Buch, dem Katechismus. In gut 130 Fragen war die katholische Glaubenslehre zusammengestellt, und Frage für Frage hatten wir auswendig zu lernen und „wie aus der Pistole geschossen“ zu beantworten. 
Auswendig lernen von Zeug, das er nicht erkären und wir nicht verstehen konnten: Erbsünde, Dreifaltigkeit,
(einen Einblick geben: http://www.payer.de/christentum/pichler01.htm und http://www.himmelsboten.de/Engel/Kurzel/Katbv2.htm …)

Der für uns 9-12 jährige baumlange Kaplan Stadlthanner erschien mit seiner wallenden Soutane riesig, und wer an die Tafel gerufen wurde, hatte zu schlottern: Kamen die Antworten auf die Frage oder Nummer nicht sofort wunschgemäss, oder geriet einer ins stottern, so „half der Kaplan mit dem Zwirbeln der Schläfenhaare nach“: Eine Folter, die wir alle regelmässig erlebten und im Miterleben innerlich wiederholten: Schimpf und Schande lag über dem Versagen, und „Einsagen“ hätte die gleiche Strafe oder Tatzen, mit dem in den 60er Jahren in allen Klassenzimmern vorhandenen Rohrstock (Zeigestab genannt) über die ausgestreckte Hand.

Wer auch diese zurückzog: Doppelte Strafe, bis sie vollzogen war. Im Affekt gab es auch schnell mal Watschn, und wer heulte, hatte sich zu entschuldigen.

Die Dämonen sind Engel, die sich aus Stolz gegen Gott aufgelehnt haben und in die Hölle hinabgestürzt wurden und nun aus Hass gegen Gott den Menschen zum Bösen verführen.
Den gefährlichsten Dämon hatten wir mit „Gelobt sei Jesus Christus – in Ewigkeit , Amen“zu begrüßen, und er fragte uns die nächsten Jahre im Beichtstuhl die Sünden ab, die wir nach einem „Beichtspiegel“ in der Gewissenserforschung zusammenzustellen hatten: (vergleichbar: http://www.gottliebtuns.com

Gipfelfrast

/beichtspiegel.htm)
1. Beten
2. Ehrfurcht,
3. Sonntag
4. Eltern
5. Nächster
6. Schamhaftigkeit
7. Eigentum
8. Wahrheit
9. Wurzelsünden
Die Schamhaftigkeit interessierte den Kaplan am Meisten, die regelmässige Nachfrage zu „in Gedanken, Worten und Werken“ kam sofort: „allein oder mit anderen?

Mit 13 begann mein Entschluss, dass das den Kaplan nichts anginge, „wie oft ich in der beginnenden Pubertät sündigen und meinen Willen nicht stählen würde, wie es in einem Heftchen stand, als Anleitung, nicht am 6. Gebot zu scheitern, das wir uns in der Buchhandlung kaufen sollten, und ein paar mal ging ich zur Gewissenberuhigung noch zu alten Patres beichten, die nicht so dämonisch veranlagt waren.

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